Das Spektakel liegt im aufmerksamen Blick

Als ich im März zum ersten Mal den Hang hinunterstieg, richteten sich gerade Nebelkrähen in den Erlenbäumen zur Nacht ein. Sie flatterten unter Warnrufen auf, zogen senkrecht über den See, kehrten im Bogen zurück auf ihre Schlafbäume. Unter den Schwarzerlen, symbiotisch umarmt von ewig grünen Efeuranken, verstummte der Abendgesang der Vögel. Meine Stiefelschritte scheuchten Damwild… Das Spektakel liegt im aufmerksamen Blick weiterlesen

Göttliche Natur?

ESSAY: Das Draußen gehört zur Natur des Radfahrens. Welcher Natur das Draußen ist, gehört zur Vorstellung des Radfahrenden. Kann man in dieser Natur Gott treffen, und falls nicht, was dann? […] Die Natur, die aufgesucht wird, soll „ursprünglich“ sein. Wegen der dynamisch prozesshaften Entwicklung von Natur- wie Kulturlandschaft gibt es für das Ursprüngliche jedoch keinen… Göttliche Natur? weiterlesen

Tschirpen, tschilpen, deddern

»Nature Writing« macht Lust aufs Erkunden der »Wildnis« vor der Haustür. Jeden Morgen wecken mich Hinterhofvögel. Hier nur allgemein von Vogelgesang zu reden, wäre ein urbanes Armutszeugnis. Mit trägem Nachdenken schälen sich Bilder heraus von Spatzen, Tauben, Elstern oder Amseln. Aber singen die mir ihr vielstimmiges Frühkonzert? Gut, die einen zwitschern, die anderen gurren. Wollt ihr es… Tschirpen, tschilpen, deddern weiterlesen

Immer die Rinne entlang

„Auf dem Brückengeländer aalen sich Sandsteinfiguren unter der Morgensonne: Tritonen, Mischwesen aus Menschen und Fisch, die auf ihrem Rücken Nymphen von Ufer zu Ufer tragen. Sie erinnern an das einstige Fenn, ein morastiges Sumpfland, dem ich folgen werde. Der Nebenarm einer eiszeitlichen Rinne führt von hier bis zum Koenigssee in Grunewald. Um den Sumpf zum… Immer die Rinne entlang weiterlesen

Naturwahrnehmung und Versprachlichung

VERSPRACHLICHUNG VON NATURERFAHRUNG. „Die moderne Wissenschaftssprachen sind entsinnlicht. Nature Writing nimmt manches von den alten Fachsprachen (der Schiffer-, Jäger-, Bergsteiger- oder Waldarbeitersprache) auf, nicht nur weil viele von ihnen aus einem vor- und frühmodernen, zumeist handwerklichen Umgang mit den Naturgegebenheiten eine außerordentliche Schärfe der Wahrnehmung und einen großen Schatz sinnlicher Erfahrung vermittelten. […] Wo historisches… Naturwahrnehmung und Versprachlichung weiterlesen

Die Entdeckung der Natur

NEU IN MEINER BIBLIOTHEK. Jürgen Goldstein, zuletzt gelobt für seine „Denkbiografie“ Hans Blumenbergs, erzählt „Die Entdeckung der Natur“ als Erfahrungsgeschichte, ausgehend vom 14. Jahrhundert. Entweder führt die Passage über einen Ozean oder ein Berg wird erwandert. Weil Erfahrung vor vermeintlichem Spektakel geht, darf Goethe den Brocken besteigen, bricht Lichtenberg nach Helgoland auf. Aber keine Angst,… Die Entdeckung der Natur weiterlesen

Vor dem Schreiben

VOR DEM SCHREIBEN. Eine Anspannung, wie nach taglangem Lesen vertiefendes Eintauchen in das Gelesene, während sich der physische Körper des Buches verliert. Oder wie ein Ohraufgehen bei einer übertriebenen Konzentrationsübung. Als stünde eine existenzielle Einsicht unmittelbar bevor. Nur lässt sich eine solche Einsicht nie linear fassen, etwa als den einen schicken Satz für einen späteren… Vor dem Schreiben weiterlesen

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Sommer

„[…] Obgleich die Schwüle drückender wurde, spürten wir das andauernde Schauern. Wenn es nachließ, erneuerten wir es vorsätzlich und tauchten in den Fluss, in dessen Mitte kaltes, klares Wasser strömte. Kehrten wir auf unsere Picknickdecke zurück, fielen stets noch ein paar Tropfen auf unsere Haut. Später saßen wir mit angezogenen Knien am Ufer und blickten… Sommer weiterlesen

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Ein Stummfilm hat mich heute „auf die Sprünge gebracht“, wie Peter Handke sagen würde. Der Film lag nahe, weil der Roman auch mit dem Kino zu tun hat. Ursprünglich plante ich, das Geschehen in einer Szene palimpsesthaft und komplex über besagten Stummfilm zu legen (oder scheint das Original nicht vielmehr durch?), aber im fortgeschrittenen Stadium… Weiter schreiben weiterlesen

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Der Morgen

Um vier Uhr morgens schreiben ist mein Ideal. Den nächsten Morgen stelle ich mir als eine Etage höher vor. Als Kind habe ich an einen Fahrstuhl nach oben gedacht. Vielleicht steckt eine vertikale Paradiesidee dahinter. Jedenfalls liegt die Zukunft nicht unten. Um mein (hohes) Ideal zu erreichen, berechne ich am Vorabend acht Stunden Schlaf. Eine… Der Morgen weiterlesen

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